i’mpure art

 

Hier gehe ich der Heil-Kunst nach. Im wörtlichen Sinne. Für mich, für mein Wachstum, für meine Geschichte, aber auch für dich, da du dies liest. Heilkunst, heilende Kunst, Heilung durch Kunst, die Kunst der Heilung…

Heilung als die Verbindung von Getrenntem. Ganzwerdung. Das Blockierte zum Fliessen bringen. Das Dunkle ins Helle und das Helle ins Dunkle bringen. Das Verunreinigte ins Reine bringen. Das Verleugnete anerkennen. Das Verstossene lieben. Das ist für mich Heilung.

Was hat das mit diesen Bildern zu tun?

Der Körper der Frau ist gebrochen unter der Last der Stigmatisierung und Unterdrückung ihrer Natürlichkeit. Ich erlebe das tagtäglich in meiner therapeutischen Tätigkeit. Wenige Frauen, die ich kenne, haben einen gesunden und liebevollen Bezug zu ihrer Körperlichkeit. Die Selbstentfremdung, Selbstverleugnung und Selbstverneinung ist Normalität. Das möchte ich nicht akzeptieren und setzte deshalb hier ein Zeichen.

Wie mache ich das?

Hier nehme ich mein Innerstes und bringe es nach Aussen. Ich verwandle Scham in Schönheit.

Das tue ich ganz konkret, indem ich meine Monatsblutung als natürliche und limitierte Ressource betrachte. Als Rohstoff, welches rhythmisch mit uralten Zyklen und Gesetzen verbunden ist, das mich in einer gewissen Naturverbundenheit hält und gleichzeitig Anfang und Ende, Tod und Geburt in sich vereint.

Ich möchte meinen Zyklus als schöpferische Urkraft empfinden, statt als lästige, ekelhafte und beschämende Körpersekretion. Ich möchte dabei bewusst ein inneres und ein äusseres, ein individuelles und ein gesellschaftliches Tabu hinterfragen. „The curse“, wie man auf Englisch sagt, den Fluch möchte ich für mich aufheben. Ich möchte ihn für meine Töchter, die bald in die Pubertät kommen, auf begreifliche Weise zu etwas erheben, worauf sie stolz sein können. Und ich möchte auf gesellschaftlicher Ebene zu einem Umdenken provozieren. Weshalb diese meine intimen Bilder und Gedanken hier in aller Öffentlichkeit zu sehen sind.

Das Bild als Sprachrohr unausgesprochener Worte

Katharsis. Die reinigende Kraft der Worte.
Wenn die Worte fliessen, geschieht in mir eine bewusste Lösung, die im Zusammenspiel zwischen Kopf und Herz entsteht.
Hier bin ich ganz ich. Hier bin ich ganz Empfindung. Hier geschieht Auflösung. Hier geschieht Magie.

Manchmal versiegen mir jedoch die Worte. Zerrinnen. Leise, wie die Quelle auch entspringt. Dann spricht mein Körper die unausgesprochenen Worte weiter.

Wie drückst du dich aus? Bist du dir bewusst, welche Geschichte du erzählst? Auf welchen Pfaden darf dein Innerstes nach Aussen treten, wo fühlst du dich zu Hause?

Ich stehe als Therapeutin im Dienste der Heilung.

Ich stehe als politisches Wesen für die Veränderung ein.

Als Frau, als Mensch, als handelnde, fühlende und wirkende Einheit vereine ich alle Pole, alle Ebenen, Schöpfung und Zerstörung, Yin und Yang, Geburt und Tod in mir.

 Ich stehe zwischen gestern und morgen.

Ich. Ich bin im Jetzt. Ich bin im Dazwischen.

Und hier geschieht Veränderung. Hier geschieht Versöhnung. Hier geschieht Heilung.

Der weibliche Körper: impure oder i’mpure?

Bin ich rein? Die grössten Weltreligionen, die Werbeindustrie, die Literatur und viele Mitmenschen möchten gerade die weibliche Menstruation als etwas Unreines betrachten. Ich sage: NEIN! Ich stehe zu meinem Körper und zu allem, was dazu gehört. I’m pure!

Mein Körper manifestiert meine Gedanken, meinen Geist, meine Gefühle. Er nimmt sie an, ohne sie zu hinterfragen. Er trägt meine Geschichten. Er weint um sie. Wandelt sie. Übernimmt den Schmerz.

 

Diese Bilder sind deshalb meinem Körper und den unzähligen Geschichten in ihm gewidmet.

Er ist keine Hülle. Kein leeres Haus.

Mein Körper, das bin ich. Mein Kopf ist mit meinem Herzen verbunden, im Dazwischen ist mein Ich, mein Kern, meine Wahrheit.

Ich stehe ein für die Integrität, Ganzheit und Wertschätzung des weiblichen Körpers, der weiblichen Sexualität und der Bereinigung alter Stigmata.

Because I’m pure. And so are you!